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Ehemalige Franz-Fühmann-Oberschule: Gute Aussichten für Leseratten PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: ASUM Berlin   
Donnerstag, den 22. Januar 2009 um 13:27 Uhr

Die seit 2003 geschlossene und seitdem leer stehende Franz-Fühmann-Oberschule in der Frankfurter Allee 14a wird zur Bezirkszentralbibliothek umgebaut. Im August 2008 ist der Architektenwettbewerb für den Umbau entschieden worden. Im Jahr 2010 soll die Bibliothek an ihren neuen Standort umziehen.

In dem ehemaligen Schulgebäude, das zurückgesetzt zwischen zwei Wohnblöcken aus der Stalinzeit steht, sollen auf rund 2700 Quadratmetern großzügige Bibliotheksräume entstehen, die den Anforderungen des modernen Bibliothekswesen genügen und flexible Nutzungen ermöglichen. "Die Bibliothek soll zu einem öffentlichen Ort werden, an dem vielfältige Kommunikationsangebote wahrgenommen werden können", heißt es in der Ausschreibung. Die bisherigen Räume im Hinterhof der Grünberger Straße 54 liegen dafür zu versteckt und sind mittlerweile auch zu klein geworden.


Gewonnen hat den Wettbewerb der Berliner Architekt Peter W. Schmidt. In seinem Entwurf erhält das Gebäude eine einladend breite Eingangstreppe an der Vorderseite. Die Schule hatte ihren Haupteingang an der zur Straße abgewandten Seite. Durch die Verlegung des Zugangs öffnet sich das Gebäude künftig direkt zur Frankfurter Allee. Mit seinem zweistöckigen, großflächig verglasten Foyer wirkt der Zugang offen und transparent. Die auffälligste Neuerung wird die Wandgestaltung sein. Die gesamte Fassade wird mit vertikalen Holzlamellen verkleidet. Einige"Aussichtsfenster" sind dabei ausgespart und bieten so Ein- und Ausblicke. Das Flachdach wird begrünt. Damit soll sich das Bibliotheksgebäude in den baumbestandenen, grünen Block-Innenbereich einfügen.


Im Hochparterre werden neben dem Foyer der Informations- und Ausleihschalter, das Lesecafé und ein Veranstaltungsraum untergebracht. Im ersten Stock befindet sich die Familienbibliothek, die sich hauptsächlich an Kinder bis 12 Jahre und deren Eltern richtet. In der zweiten Etage werden der Belletristik-Bereich, die Jugendbibliothek sowie die Kunst- und Musikbibliothek angeordnet. Sachliteratur findet man im obersten Stockwerk. Gerechnet wird mit einer Nutzerfrequenz von 120 Besuchern pro Stunde. Die Verwaltung zieht ins Souterrain. Alle Ebenen werden selbstverständlich barrierefrei zugänglich sein.


Die Konstruktion des Gebäudes bleibt weitestgehend erhalten. Der viergeschossige Stahlbeton-Skelettbau des Typs "SK Berlin" entstand in den späten 60er Jahren. "SK Berlin" ist eine lokale Weiterentwicklung der Typenserie 66, nach der fast alle neuen Polytechnischen Oberschulen in der DDR gebaut wurden. Im Jahr 1966 hatte die DDR zur Einführung eines "einheitlichen sozialistischen Bildungssystems" ein Schulbauprogramm über 14 000 neue Unterrichtsräume aufgelegt.


Die ehemalige Franz-Fühmann-Schule war nach ihrer Schließung schon an den Liegenschaftsfonds überstellt worden, der es im Auftrag des Landes Berlin verkaufen sollte. Dem Bezirk gelang es jedoch, das Grundstück wieder zurückzuholen, um hier die Bezirkszentralbibliothek in einem eigenen Gebäude unterzubringen. Am jetzigen Standort in der Grünberger Straße sind die Räume angemietet. Im Ortsteil Friedrichshain ist dies die einzige öffentliche Bibliothek. Sie hat in 2660 laufenden Regalmetern 110 000 Medieneinheiten im Bestand. Neben der Buchausleihe bietet die Bibliothek auch Veranstaltungen zur Sprach- und Leseförderung für Schulen und Kitas an. In der Grünberger Straße befindet sich auch die Verwaltung für die Bezirksbibliotheken im Ortsteil Kreuzberg. Das alles soll in Zukunft in der Frankfurter Allee zentralisiert werden. Nach dem Umzug wird der Standort in der Grünberger Straße geschlossen.


Der Umbau der Schule beginnt im Frühjahr 2009 und wird aus dem Programm Stadtumbau Ost im Rahmen der "Zukunftsinitiative Stadtteil" gefördert. Als Gesamtbaukosten ist eine Summe von 3 064 000 € vorgegeben.


Die Idee, neben der künftigen Bibliothek einen kleinen "Bibliothekspark" einzurichten, trifft hingegen auf Schwierigkeiten. Der Bezirk konnte nicht das gesamte ehemalige Schulgelände vom Liegenschaftsfonds zurückgewinnen, sondern nur ein eng um das Gebäude herum liegendes Grundstück. Für die Idee der Betroffenenvertretung Warschauer Straße, ein "Freiluft-Lesecafé" einzurichten, in dem man Bücher und Zeitungen im Grünen lesen kann, ist da kein Platz. Das benachbarte Grundstück, auf dem einmal eine Turnhalle stand, untersteht weiterhin dem Liegenschaftsfonds.

 

Quelle & Text: FRIEDRICHsHAIN, Online-Ausgabe der Zeitschrift für Stadterneuerung, 14. Jahrgang, Heft 4/2008


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